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In diesem Jahr veränderte Luther die Welt

 

 

 

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1517  |  Thesenanschlag

Vielleicht hat er ja doch getan, was ihm seit Jahrhunderten alle Welt verdankt/vorwirft/andichtet und zuletzt werbewirksam vermarktet: Ein Blatt mit 95 Thesen diskussionsfreudig an die Tür der Schlosskirche zu Wittenberg genagelt. Vielleicht sogar am 31. Oktober. Es klingt doch so schön bildhaft, dass seine Hammerschläge ihr Echo in der ganzen christlichen Welt gefunden haben...

 

Mit seinen Thesen wollte Luther zu einer akademischen Disputation über den Missbrauch der Ablässe aufrufen. Und er schrieb, nachdem er gerade eine Instruktionsschrift für Ablasshändler gelesen hatte, einen sehr untertänigen Brief an seinen kirchlichen Vorgesetzten, den Erzbischof Albrecht von Magdeburg. Einen Druck der Thesen fügte er bei.

Zur Disputation über seine lateinischen Thesen kam es wohl auf Universitätsebene nicht. Aber er traf damit den Nerv vieler Zeitgenossen. Die Thesen wurden gelesen, diskutiert, gedruckt, übersetzt, wieder gedruckt...

Ja, seit der Erfindung des Buchdrucks ca. 1450 konnte man sie drucken und musste sie nicht mehr mühsam abschreiben. Schon Ende 1517 sind Drucke der Thesen z.B. in Leipzig, Nürnberg und sogar Basel in Umlauf. Die Reaktionen reichten von stürmischer Zustimmung bis zu eiskalter (oder auch lodernder) Ablehnung.

 

Erzbischof Albrecht hatte ihn noch 1517 in Rom angezeigt. Im Frühjahr lehnte Luther den von ihm erwarteten Widerruf ab und sandte eine ausfühliche Erklärung seiner Thesen samt einem ergebenen Brief an Papst Leo X. Doch im Juni 1518 wurde gegen ihn formal der Ketzerprozess eröffnet.

 

"Die Lehre, dass man kirchliche Bußstrafen in Strafen des Fegefeuers umwandeln könne,

ist ein Unkraut, das augenscheinlich gesät wurde, als die Bischöfe schliefen."

 

 

 

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Druckerwerkstatt

Ohne die Druckerpresse und vor allem die Innovation der beweglichen Lettern, die Johann Gutenberg berühmt machte, wären Luthers Ideen wohl im Sande verlaufen. Die Medienrevolution Mitte des 15. Jh machte es erst möglich, dass sich Luthers Thesen, später seine Schriften und seine Bibelübersetzung so schnell so weit verbreiten konnten.

 

Eigentlich war Leipzig die sächsische Metropole des Buchdrucks, doch Herzog Georg, Gegner der Reformation, untersagte Druck und Handel reformatorischer Schriften im Herzogtum Sachsen. So gründete der einflussreiche Leipziger Drucker Melchior Lotter im kursächsischen Wittenberg eine Zweigniederlassung. Bei ihm erschien z.B. Luthers Neues Testament. Später übernahm Hans Lufft die Lottersche Druckerei und führte sie weiter. 1534 erschien bei ihm die zweibändige Gesamtausgabe der Lutherbibel.

 

Auch Lucas Cranach war Miteigentümer einer Druckerei in Wittenberg.

 

 

 

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1518  |  Verhör vor Kardinal Cajetan

Der Ketzerei beschuldigt sollte Luther von Kardinal Cajetan in Rom verhört werden. Kurfürst Friedrich der Weise erreichte dagegen eine Anhörung Luthers in Augsburg - auf deutschem Boden, wo der Kardinal des Reichstags wegen weilte. Luther sprach vom schwersten Gang seines Lebens, hatte er doch das Schicksal des Jan Hus, den Scheiterhaufen vor Augen.

 

Nach drei Tagen Diskusson und Verhör floh Luther Mitte Oktober zu Pferde aus der Stadt, weil er eine Verhaftung durch Thomas Cajetan fürchtete. Den von ihm ausdrücklich erwarteten Widerruf seiner Lehren hatte Luther abgelehnt.

 

Wenige Wochen später appellierte er in seiner Angelegenheit an ein Konzil und Friedrich der Weise lehnte die Forderung, Luther an Rom auszuliefern, nach einigem Zögern endgültig ab.

 

 

 

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1519  |  Am Lutherstein

Etwa 4 km nördlich von Tornau, an der alten Handelsstraße zwischen Leipzig und Wittenberg und nicht weit von der höchsten Erhebung der Dübener Heide, liegt ein uralter großer Findling - der Lutherstein. Zum ersten Mal kam Luther wohl 1508 bei seiner Versetzung an die Universität Wittenberg hier vorbeigekommen.

Als er im Sommer 1519 mit seinen Professorenkollegen Karlstadt und Melanchthon nach Leipzig zog, um mit dem Theologen Johannes Eck zu disputieren, sollen ihn viele Wittenberger Studenten bis zum Lutherstein begeleitet und später dort wieder erwartet haben: „Luther aber hat den an der Straße liegenden Felsblock bestiegen und zu den Studenten geredet und eine gewaltige Predigt getan, die niemand vergessen hat.“

Ein paar Kilometer südlich, an der Mulde in Düben, grenzte das kursächsische Gebiet, das der lutherfreundliche Friedrich der Weise regierte, an das Herzogtum Sachsen. Dort lag Leipzig mit der Residenz Herzog Georgs von Sachsen, der zwar ein Cousin Kurfürst Friedrichs war, aber zeitlebens ein Gegner der Reformation blieb.

 

Später rankten sich mehr und mehr Legenden um den Stein und er wurde 1817 anlässlich des 300. Reformationsjubiläums mit der Inschrift: "DML Dr. Martin Luther   I.A. Eine feste Burg ist unser Gott" versehen. Wer heutzutage durch das schöne Waldgebiet der Dübener Heide wandert, findet am Lutherstein an der B2 einen kleinen Rastplatz.

 

An der Leipziger Disputation nahm auch ein einflussreicher Ritter teil, Hans von Planitz. Er stammte aus dem Adelsgeschlecht derer von Planitz auf Wiesenburg. In Deutschland und in Italien Rechtswissenschaften studiert, Doktor der Juristerei, zehn Jahre älter als Luther: Herr des Schneebergs und Neustädtels, Inhaber von dortigen Bergbaurechten im Silberbergbau, Herr über Auerbach i.V. und als Kurfürstlicher Rat im Dienste Friedrichs des Weisen. Seit 1517 Amtshauptmann von Grimma (Landrat). Jerusalempilger.

In der Leipziger Disputation 1519, in der Planitz in seiner Eigenschaft als kurfürstlicher Rat teilnahm, ergriff er Partei für Martin Luther und wahrte ihm sein Recht auf Einspruch gegenüber Johannes Eck. Luther bedankte sich später in einem Brief an den Kurfürsten: „... und wäre Hans von Planitz, Eurer Kurfürstlichen Hoheit Hauptmann zu Grimma, nicht gewesen, so wäre ich ganz dahin gewesen, wie derselbe Eurer Kurfürstlichen Hoheit wohl mag berichten ...“

Luther hatte mächtige Fürsprecher.

 

 

 

 

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1518  |  Kaiser Maximilian - der letzte Ritter

- Bild und Erklärung noch in Vorbereitung -

 

 

 

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1520  |  Wildschweinjagd

Der Film "Luther" aus dem Jahr 2003 zeigt Papst Leo X. mit seinem Gefolge auf Wildschweinjagd. Die dramatische Szene ist unterlegt mit Zitaten aus der Bannandrohungsbulle gegen Luther: "Erhebe dich, o Herr, und halte Gericht! Ein wilder Eber wütet in deinem Weinberg ... Wir können nicht länger dulden, dass sich die Schlange durch die Auen des Herrn windet."
Im Film bringt Papst Leo nach wüster Hetzjagd den Eber zur Strecke. In Wahrheit blieb Luther unter dem Schutz seines Kurfürsten unangetastet.

 

Fast 40 Jahre später Jahre erschuf Lucas Cranach d.J. ein Gemälde, das den Weinberg des Herrn (auf reformatorischer Seite) nicht zerstört, sondern sehr gehegt und gepflegt zeigt. Die Verwüstung stellt er auf der Seite der anderen dar.

 

 

 

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1520  |  Luthers Schreibstube

Durch die Auseinandersetzung mit der römischen Kurie war Luther gezwungen, seine Lehren ausführlich zu beschreiben. Im Jahr 1520 veröffentlichte er seine vier großen Reformationsschriften:

  • "Sermon von den guten Werken" (im April 1520), in dem er ein umfangreiches Reformprogramm entwickelt
  • "An den christlichen Adel deutscher Nation von des christlichen Standes Besserung" (Mitte August),
  • "Von der babylonischen Gefangenschaft der Kirche" (Ende August, enthält scharfe Kritik an den römischen Sakramenten) und
  • "Von der Freiheit eines Christenmenschen" (Mitte November).

Im kurfürstlichen Schloß zu Eilenburg hatte 1520 ein Gespräch zwischen den kurfürstlichen Kanzlern und Luther sowie Melanchthon stattgefunden. In Prettin traf sich Martin Luther zum dritten und letzten Mal mit dem päpstlichen Legaten Karl von Miltitz. Dieser strebte noch immer eine Aussöhnung zwischen Luther und dem Papst an. Bereits zwei Besprechungen zum gleichen Anlass waren in Altenburg im Januar und in Liebenwerda im Oktober 1519 fehlgeschlagen.

 

1520: Auf Empfehlung Luthers hin wird Thomas Müntzer im Mai Prediger in Zwickau. Der spanische Konquistador Hernán Cortez erobert das Aztekenreich.

 

 

 

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1520  |  Verbrennung der Bannandrohungsbulle

In der päpstlichen Urkunde wurde Luther wurde eine Frist von 60 Tagen zum Einlenken gewährt, bevor über ihn der Kirchenbann verhängt werden sollte. Er reagierte darauf, indem er Mitte Dezember vor dem Elstertor zu Wittenberg die Bannandrohungsbulle und kanonische Rechtsbücher in der Öffentlichkeit demonstrativ verbrannte. Seine Gegner hatten zuvor schon andernorts Werke von ihm öffentlich verbrannt.

Am 3. Januar 1521 wurde er rechtskräftig exkommuniziert.

 

Später pflanzte man in Wittenberg vor dem Elstertor eine "Luthereiche" an der Stelle, um die sich bald wundersame Legenden rankten.

 

 

 

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1521  |  Reichstag zu Worms

Ein halbes Jahr nach seiner Krönung berief der junge Kaiser Karl V. den Reichstag nach Worms ein. Dort sollte Luther vor den mächtigsten Vertretern von Gesellschaft und Religion seine Lehren ganz pauschal widerrufen. Der Kaiser verlangte von ihm eine einfache Antwort. Zuerst versuchte Luther zu differenzieren und erbittet Bedenkzeit, dann aber verweigerte er unter Berufung auf die Bibel und sein Gewissen jeglichen Widerruf. Mutig und demütig.

 

Den Offiziellen im Saal stockte der Atem solcher Ungeheuerlichkeit wegen (sie sahen Luther schon als Ketzer brennen), aber seinen Freunden klopfte vielleicht auch das Herz laut voller Hochachtung. Luther durfte unbehelligt abreisen.

 

 

 

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1521  |  Entführung

Luther hatte freies Geleit zugesichert bekommen, um den Reichstag zu Worms ungehindert verlassen zu können. Die Reichsacht über ihn verhängte Kaiser Karl V. einige Tage später, als der Reichstag offiziell bereits abgeschlossen war und etliche wichtige Teilnehmer schon abgereist waren. Luthers Kurfürst erkannte deshalb die (außerdem zurückdatierte) Reichsacht nicht an. Schon damals boten "Formfehler" weite Handlungsspielräume...

 

Auf der Rückreise wurde Luther, bereits auf kursächsischem Gebiet, gefangen genommen und entführt. Unter seinen Anhängern entstand große Unsicherheit - es kursierten sogar Gerüchte über seinen Tod.
Aber es war ein geschicktes Manöver des Kurfürsten: inoffiziell aber effizient. Mit der Organisation und Durchführung war Spalatin, des Kurfürsten Sekretär, beauftragt. Alles war streng geheim, und Einzelheiten wollte der Kurfürst, der Fuchs von Sachsen, wohl gar nicht wissen.

Der Überfall geschah im Glasbachgrund nördlich von Steinbach und Schloss Altenstein, nicht weit vom Rennsteig entfernt. Hans von Berlepsch, der Schlosshauptmann der Wartburg und seine Leute nahmen Luther gefangen, ließen ihn dann Zivilkleidung anziehen und brachten ihn auf Umwegen auf die Wartburg in Sicherheit.

 

 

 

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1521  |  Übersetzung des Neuen Testaments

Luther durfte sich wohl nicht viel in der Öffentlichkeit sehen lassen. Nur so konnte der Kurfürst tun, als wisse er von nichts. Und als Junker Jörg konnte Luther sicher sein, dass sich nicht irgendein eiliger Kopfgeldjäger auf das Wormser Edikt berief, mit dem der Kaiser noch in Worms die Reichsacht über ihn verhängt hatte.

 

Er ließ sich Bart und üppige Haartracht eines Ritters wachsen und trug zu vornehmen Gewändern das Schwert. Die Zeit von etwa 10 Monaten auf der Wartburg nutzte er z.B., um das Neue Testament ins Deutsche zu übersetzen; er stellte es im September 1521 fertig. Er hätte fließend aus dem Lateinischen übersetzen können, aber er ging zurück „zu den Quellen“ und nutzte griechische Vorlagen.

 

Lange Zeit gab es in der Lutherstube der Wartburg an der Wand einen gepflegten Tintenfleck. Der Legende nach soll Luther dort sein Tintenfass nach dem Teufel geworfen haben, um ihn zu vertreiben. Wahrer Kern ist, dass Luther einmal sagte, er hätte den Teufel mit Tinte bekämpft. Aber er meinte sicher das geschriebene Wort damit.

 

"Die Heilige Schrift ist ein wunderbares Kräutlein, je mehr du es reibst, desto mehr duftet es."

 

"Ich habe mich bemüht im Übersetzen, dass ich rein und klar Deutsch geben möchte. Uns ist wohl oft gegegnet, dass wir vierzehn Tage, drei, vier Wochen ein einziges Wort gesucht haben. Läuft jetzt einer mit den Augen durch, wird er nicht gewahr, welche Klötze da gelegen sind. Wir haben schwitzen müssen. Man muss die Mutter im Hause, die Kinder auf der Straße, den einfachen Mann auf dem Markt fragen und ihnen auf das Maul sehen."

 

 

 

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1521  |  Junker Jörg incognito

Während Luther getarnt als Junker Jörg auf der Wartburg lebte, gewannen in Wittenberg Männer um Karlstadt, Luthers Doktorvater und Mitstreiter, an Einfluss. Sie wollten viele von Luthers Gedanken schnell und kompromisslos umsetzen.

Im Dezember 1521 besuchte Luther deshalb heimlich Wittenberg, um sich darüber vor Ort ein Bild zu machen. Dabei wurde er von seinem Freund, dem Hofmaler Lucas Cranach in seiner Verkleidung als Junker porträtiert.

 

Im Laufe der Zeit entstanden in der Werkstatt Cranachs über 500 Bilder von Luther. Er gehört zu den Personen, die am häufigsten in der deutschen Geschichte im Bild dargestellt wurden.

 

 

 

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1522  |  Bildersturm in Wittenberg

Zu Weihnachten 1521 feierte Karlstadt in Wittenberg den ersten evangelischen Gottesdienst - in weltlicher Kleidung und statt auf Latein nun in deutscher Sprache. Die Reformen gingen weiter: private Messen wurden nicht mehr gelesen, die Beichte für unnötig erklärt, die Fastengebote wurden als überflüssig angesehen und die Gelübde der Mönche sowieso. Karlstadt heiratete im Januar 1522 - fast 2 1/2 Jahre vor Luther.

 

Als es unter Karlstadts Führung zu Ausschreitungen der "Bilderstürmer" kam, weil eifrige Bürger fast alle Bilder, Statuen und Altäre aus der Stadtkirche entfernen wollten, "um Abgötterei zu vermeiden“, rief der Rat der Stadt Luther zu Hilfe.

Der verließ umgehend und ohne kurfürstliche Genehmigung die Wartburg und hielt in Wittenberg eine Predigtreihe, in der er u.a. diesen "Bildersturm" verurteilte. Luther stellte alte Formen des Gottesdienstes wieder her, trat wieder mit Tonsur und Mönchskutte auf und verbot Karlstadt das Predigen. Der verließ kurze Zeit später enttäuscht Wittenberg.

 

Im September 1522 vollendeten die Männer des Entdeckers Ferdinand Magellan die erste Weltumseglung, die sie drei Jahre zuvor begonnen hatte. Es ist bewiesen: Die Erde ist doch eine Kugel.

 

 

"Es war Zeit, dass Martin Luther von der Wartburg nach Wittenberg kam und richtete Kirchen und Schulen wieder an.

Sonst wäre alles in Trümmer gegangen."

 

 

 

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1523  |  Die Nonnenflucht

Luthers Gedanken griffen um sich. Nicht nur sein Kloster in Wittenberg war inzwischen von Mönchen fast verlassen, auch woanders zeigten sich Auflösungserscheinungen - zum Beispiel im Zisterzienserinnen-Kloster Marienthron in Nimbschen. Im benachbarten Grimma hatte Luther mehrmals gepredigt und das dortige Augustiner-Eremiten-Kloster besucht.

 

Ostern 1523 gelang die gut organisierte Flucht von neun Ordensschwestern aus Nimbschen, darunter Katharina von Bora. An der Aktion sollen u.a. ein Torgauer Ratsherr und Luther selbst beteiligt gewesen sein, der den Planwagen schickte. Ungefährlich war die Sache nicht, beides stand unter hohen Strafen: das Verlassen des Klosters und die Befreiung/Entführung von Nonnen.

 

Die Flucht "versteckt hinter Heringsfässern" ist verbürgt, aber wohl nicht in den Fässern. Und schon gar nicht steckten die Nonnen bis zu Ihrer Ankunft in Wittenberg darin... 

 

 

 

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Cranachs Weinhandel

Lucas Cranach, Hofmaler der sächsischen Kurfürsten, war ein vielseitiger Mann. Im Laufe seines Lebens betrieb der Freund Luthers nebenbei eine Apotheke, den städtischen Ratskeller, eine Druckerstube, betätigte sich als Verleger und Vermieter. Er gehörte zu den reichsten Bürgern Wittenbergs und wurde mehrfach zum Kämmerer (Finanzdezernenten) und zum Bürgermeister der Stadt gewählt.

 

Mit einer geflügelten Schlange signierte Cranach etwa seit 1508 seine Werke. Kurfürst Friedrich hatte ihn in Anbetracht der "(...) Ehrbahrkeit, Kunst und Redlichkeit" in den Adelsstand erhoben und einen Wappenbrief verliehen.

 

Das Apothekerprivileg hatte Lucas Cranach ab 1520 inne. In seinem Laden handelte er mit Arzneien und Kräutern aller Art , Gewürzen, Konfekt, Zucker, Siegelwachs, Rattengift und vielem anderen. Am einträglichsten war jedoch der Weinhandel. Cranach war praktisch konkurrenzlos Lieferant für gesellschaftliche Anlässe aller Art in der Residenzstadt.

 

 

 

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1524  |  Luther legt die Mönchskutte ab

Um das Jahr 1524 schlossen im Mitteldeutschen Raum viele Augustinerklöster. Luther war innerhalb des Ordens bekannt, er hatte großen Einfluss und viele Freunde. Viele seiner Ordensbrüder wurden eifrige Förderer der Reformation.

Nicht nur Konvente der Augustiner-Eremiten lösten sich auf. Vielerorts verließen Mönche und Nonnen die Klöster. Klosterkirchen, Gebäude, Güter und Rechte gingen in den Besitz der Obrigkeit über. Im Thüringer Raum waren Klöster auch Ziele von Verheerungen des Bauernkriegs.

 

Das Schwarze Kloster in Wittenberg war im Herbst 1524 fast völlig verlassen. Im Oktober wurde der Konvent geschlossen, und auch Luther legte die Mönchskutte ab. Künftig trug er standesgemäß die Schaube, das vornehme schwarze Professorengewand seiner Zeit.

Übrigens waren Philipp Melanchthons Schwiegervater Hans Krapp und sein Schwager Hieronymus Krapp Gewandschneider, Tuchhändler und Bürgermeister in Wittenberg.

 

Im reformatorischen Gottesdienst waren die gewohnte Kleiderordnung der Geistlichen häufig in Gebrauch geblieben. Das Thema zu klären galt für Luther nicht als heilsnotwendig. Er selbst trug zu den Abendmahlsfeiern noch Messgewänder, lediglich zur Predigt legte er die liturgische Kleidung ab und trat in der Ordenskleidung der Augustiner, und nach seinem Ausscheiden aus dem Kloster im schwarzen Rock der theologischen Universitätsprofessoren auf die Kanzel.

 

Aus dieser Schaube entwickelte sich dann der Talar des evangelischen Geistlichen. Und man stellt heute fest: Durch das Tragen des Talars soll der informativ- (be-)lehrende Charakter des evangelischen Gottesdienstes betont werden, bei dem die Verkündigung des Wortes Gottes in der Predigt im Mittelpunkt steht. 

 

 

 

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1525  |  Thomas Müntzer und der Bauernkrieg

Thomas Müntzer: Lehrer, Priester, Theologe. Anhänger, Weiter-Denker und Anders-Denker reformatorischer Inhalte. Auf Luthers Fürsprache hin hatte er 1520 eine Predigtstelle in Zwickau bekommen. Ein knappes Jahr später wurde ihm wieder gekündigt - seine Ansichten passten selbst den Geistlichen nicht, die der Reformation eigentlich aufgeschlossen gegenüberstanden. Luther und Müntzer vertraten in einigen Dingen völlig entgegengesetzte Positionen.

 

Müntzer zog von Ort zu Ort. Nach einem Aufenthalt in Prag ließ er sich (noch vor Luther mit einer ehemaligen Nonne verheiratet) in Allstedt, später in Mühlhausen nieder und wurde nach und nach zum geistlichen Anführer der regionalen Bauernaufstände im sächsisch-thüringischen Raum.

1525 bei Frankenhausen, in der großen Entscheidungsschlacht zwischen dem Bauernheer, das Müntzer zusammengerufen hatte, und dem der sächsisch-hessischen Fürsten wurden die Bauern vernichtend geschlagen. Müntzer wurde kurz darauf in Mühlhausen hingerichtet.

 

Lasset die Geister aufeinander prallen, aber die Fäuste haltet still!

 

 

 

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1525  |  Lager der Landsknechte

An vielen Orten in Deutschland erhoben sich Bauern und Handwerker, um gegen die Ungerechtigkeiten vorzugehen, denen sie ausgesetzt waren. Sie fühlten sich durch Lehren der Reformation ermutigt. Die Aufstände, die an verschiedenen Orten ausbrachen, nennen wir heute "Bauernkrieg".

Die mächtigen Gegner, die Fürsten mit Heerscharen von Landsknechten, hatten leichtes Spiel: Hervorragend ausgerüstet und im Gebrauch der Waffen trainiert zerschlugen sie in kurzer Zeit alle Bauernheere. Auch sie fühlten sich im Recht, hatte sich Luther doch deutlich dagegen ausgesprochen, gegen die Obrigkeit die Waffen zu erheben und den Fürsten geraten, hart vorzugehen. Luther war wohl tief betroffen, als er dann von den grausamen Metzeleien hörte.